Mein Kommentar zu Barack Obamas Gesundheitsreform:
Bittere Pille für Romney
Der 28. Juni 2012 ist ein
historischer Tag für die Vereinigten Staaten: Das oberste Gericht der USA hat
die Gesundheitsreform von Barack Obama für insgesamt verfassungskonform
erklärt. Auch der Kern der Reform, das „individuelle Mandat“, das alle
Amerikaner dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen, wurde
gebilligt. Somit ist Obama als erstem Präsident der USA das gelungen, woran
zuvor sieben seiner Vorgänger gescheitert sind – ein Erfolg, an den kaum ein
Amerikaner noch geglaubt hatte.
Der Triumph dürfte Obama
Aufschwung verleihen und seine Anhänger für den anstehenden Wahlkampf
mobilisieren. Nicht nur der Präsident und die Demokraten profitieren von diesem
Urteil. Die Entscheidung des Supreme Courts markiert insbesondere einen Gewinn
für die bislang rund 47 Millionen unversicherten Amerikaner. Zwar lehnt die
Hälfte der US-Bürger das Gesetz insgesamt ab, weil viele „Obamacare“ als
Bevormundung empfinden. Umfragen zeigen aber, dass viele Amerikaner den
Reformen im einzelnen zustimmen. Chronisch Kranke dürfen von Versicherungen
nicht mehr abgelehnt werden, Studenten und Auszubildende können bis zu ihrem
26. Lebensjahr über die Eltern versichert bleiben und die Kosten für bislang nichtbezahlte
Medikamente werden für Rentner übernommen.
Obama ging das erhebliche Risiko
ein, viele Stimmen zu verlieren, um sein Herzensprojekt zum Wohl der Bürger
durchzuboxen. Genau das unterscheidet ihn von Mitt Romney, der selbst als
Gouverneur eine ähnliche Gesundheitsreform in Massachusetts eingeführt hatte
und diese Tatsache vor lauter Opportunismus vertuschen will.
Für Obamas Gegner aus dem
republikanischen Lager ist das Urteil eine bittere Pille. Sie werden nun umso
entschlossener mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen, um den
Amtsinhaber zu Fall zu bringen. Die Schlacht wird sich auf ein weiteres polarisierendes
Thema verlagern: die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Der Ausgang der
Präsidentschaftswahlen bleibt also noch völlig ungewiss.
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